Gedanken zum Sonntag für den 19.03.2022
Die uralte Sehnsucht nach Frieden beschreiben unzählige Bilder in der Bibel. Der Prophet Jesaja sieht die Friedenshoffnung als ein großes Licht für das Volk, das im Finstern wandelt. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ (Jes 9,1). Als ein Licht für die Menschen, die in der Finsternis sitzen, so leuchtete letzte Woche eine junge Ukrainerin in unsere Welt hinein. Über die sozialen Medien verbreitete sich ein Video von der Geigerin Vera Lytovchenko. Sie stand in einem eleganten Abendkleid in einem Luftschutzkeller in Charkiw, während die russische Luftwaffe die Stadt angriff, und spielte atemberaubend schön ein ukrainisches Volkslied. Um sie herum saßen die Menschen, die sich in den Keller geflüchtet hatten, und hörten zu. Geigenklänge, eine vertraute Melodie, gegen das Gedröhn der Stiefel und Bomben. Die Musikerin sagte in einem Interview: „Wir sind in diesem Keller zu einer Familie geworden, und als ich spielte, weinten sie. Sie vergaßen für einige Momente den Krieg und dachten an etwas anderes.“ Jeder Mensch, der mit seiner Gabe einem anderen Menschen für einen Moment Frieden schenkt, ist ein Licht Gottes in unserer Welt.
Pfarrerin Dr. Ann-Cathrin Fiß, Stadt- und Johanneskirchengemeinde Bad Hersfeld